Bernard Fries

Flyer mit KI: Warum sie generisch aussehen und wie es besser geht

Von · · 7 Minuten Lesezeit

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Mit KI kann heute jeder in einer Minute einen Flyer erzeugen. Genau deshalb sehen so viele gleich aus: glatt, glänzend, beliebig. Hier steht, warum das so ist, woran man es erkennt und wie man mit guten Vorgaben, echten Referenzen und etwas Code Flyer bekommt, die wie von einem Designstudio aussehen. Samt QR-Code, der wirklich funktioniert.

In der Druckerei zählt am Ende, was auf Papier funktioniert. Nicht, was am Bildschirm glänzt.
In der Druckerei zählt am Ende, was auf Papier funktioniert. Nicht, was am Bildschirm glänzt.KI-Bild

Warum KI-Flyer generisch aussehen

Ein Bildmodell hat Millionen von Bildern gesehen. Gibt man ihm eine vage Anweisung wie «schöner Flyer für eine Bäckerei», liefert es den Durchschnitt davon: das Produkt in der Mitte, perfekt ausgeleuchtet, weiche Verläufe, ein bisschen Glanz. Das ist nicht falsch, aber es ist das, was alle anderen auch bekommen. Und Menschen erkennen diesen Durchschnitt inzwischen sofort.

Typische Merkmale, an denen man KI-Flyer erkennt:

Wie Designer denken und wie man das der KI sagt

Der grösste Hebel ist nicht das Modell, sondern die Vorgabe. Statt «schöner Flyer» beschreibt man, was ein Gestalter entscheiden würde:

Mit echten Referenzen arbeiten

Noch besser wird es, wenn die KI nicht nur Text bekommt, sondern ein Bild als Vorlage. Für die Velowerkstatt in unserem Beispiel habe ich zuerst ein einzelnes Foto erzeugt: ein öliges Kettenblatt auf Betonboden, hartes Tageslicht, Schwarzweiss mit Filmkorn. Erst im zweiten Schritt bekam die KI dieses Foto als Referenz und den Auftrag, daraus einen Risograph-Flyer zu gestalten.

Der Vorteil: Das Motiv ist festgelegt, bevor es um Layout geht. Die KI muss nicht gleichzeitig ein Bild erfinden und gestalten, und genau dabei entstehen die generischen Kompromisse. Wer echte Produktfotos hat, nimmt natürlich diese als Referenz.

Drei Flyer, drei Charaktere: Risograph für die Velowerkstatt, Editorial für die Bäckerei, Strassenplakat für den Coiffeur. Alle Geschäfte sind erfunden.
Drei Flyer, drei Charaktere: Risograph für die Velowerkstatt, Editorial für die Bäckerei, Strassenplakat für den Coiffeur. Alle Geschäfte sind erfunden.

Die Stelle für den QR-Code freilassen

Hier kommt der wichtigste Trick. Eine KI kann keinen funktionierenden QR-Code zeichnen. Sie malt etwas, das wie ein QR-Code aussieht, aber kein Handy lesen kann. Also lässt man die Stelle bewusst frei.

Im Prompt steht dafür sinngemäss: «Unten rechts ein leeres Quadrat aus unbedrucktem Papier, etwa ein Viertel der Flyerbreite, mit einer feinen Rahmenlinie und absolut nichts darin.» Darunter kommt eine kleine Zeile wie «Termin buchen». Die KI gestaltet also um den Code herum, als wäre er schon da.

Früher klebte man ein Papierquadrat als Platzhalter ins Layout. Heute steht der Platzhalter im Prompt.
Früher klebte man ein Papierquadrat als Platzhalter ins Layout. Heute steht der Platzhalter im Prompt.KI-Bild

Der Code kommt per Skript

Danach übernimmt ein kleines Programm. Es sucht im fertigen Flyer automatisch das leere Feld. Das klingt einfacher, als es ist: Papierstruktur und Druckkorn lassen eine leere Fläche für den Computer unruhig aussehen. Mein Skript nutzt deshalb zwei Wege. Es sucht eine helle, zusammenhängende und fast quadratische Fläche. Findet es keine, sucht es den gezeichneten Rahmen: zwei gleich lange waagrechte Linien, deren Abstand genau ihrer Länge entspricht.

Dann setzt es einen echten QR-Code hinein, und zwar in der Druckfarbe des Flyers statt in Schwarz. Die Farbe misst es direkt aus dem Text des Flyers. So wirkt der Code, als wäre er mitgedruckt worden.

Links das leere Feld aus dem KI-Entwurf, rechts derselbe Ausschnitt mit dem echten Code in der Druckfarbe des Flyers.
Links das leere Feld aus dem KI-Entwurf, rechts derselbe Ausschnitt mit dem echten Code in der Druckfarbe des Flyers.

Damit der Code auch wirklich scannt

Prüfen wie ein Art Director

Ich lasse pro Flyer immer mindestens zwei Varianten erzeugen und prüfe beide gegen eine feste Liste: Stimmt jeder Buchstabe, auch im Kleingedruckten? Wirkt die Typografie gesetzt oder zufällig? Sieht das Bild nach Plastik aus? Gibt es Papier, Korn, Druck? Würde ein Grafiker das so abgeben?

Bei der Bäckerei ist eine Variante durchgefallen: Das Brot stand mittig, perfekt ausgeleuchtet und glänzend, wie ein typisches KI-Produktfoto. Die andere Variante zeigte das Brot angeschnitten am Rand, mit viel Weissraum, und wirkte wie aus einem Magazin. Beim Gewinner habe ich per Code noch die Sättigung leicht gedämpft und feines Papierkorn ergänzt.

Verworfen und gewählt: links der glatte Entwurf mit dem Brot in der Mitte, rechts die Variante mit Anschnitt und Weissraum.
Verworfen und gewählt: links der glatte Entwurf mit dem Brot in der Mitte, rechts die Variante mit Anschnitt und Weissraum.

Vom Bild zum Druck

Unter der Lupe zeigt sich, ob ein Druck lebt: Rasterpunkte, Papierfasern, kleine Ungenauigkeiten.
Unter der Lupe zeigt sich, ob ein Druck lebt: Rasterpunkte, Papierfasern, kleine Ungenauigkeiten.KI-Bild

Und dann: messen

Ein schöner Flyer ist nur die halbe Arbeit. Jeder QR-Code führt auf eine eigene Landingpage, die genau zum Flyer passt, und pro Auslageort zählt ein eigener Link. Wie das im Detail geht, steht in der Notiz Flyer mit QR-Code: So wird gedruckte Werbung messbar.

Kurz zusammengefasst

  1. Nicht «schön» verlangen, sondern Druckverfahren, Raster, Palette und Text genau vorgeben.
  2. Zuerst das Motiv als eigenes Foto erzeugen, dann als Referenz für das Layout nutzen.
  3. Für den QR-Code ein leeres Feld mit Rahmen einplanen.
  4. Den echten Code per Skript in der Druckfarbe einsetzen und mit einem QR-Leser prüfen.
  5. Mehrere Varianten erzeugen und streng aussortieren.

Die drei Flyer aus diesem Artikel kannst du auf meiner Startseite ansehen, als PDF herunterladen und mit dem Handy scannen.

https://bernardfries.ch/notizen/flyer-mit-ki-gestalten

Über den Autor

Bernard Fries ist Softwareentwickler in Zürich. Er baut Web-Apps, Shops, Automatisierungen und KI-Werkzeuge für Schweizer Firmen, vom ersten Gespräch bis zum Betrieb.

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