Mit KI kann heute jeder in einer Minute einen Flyer erzeugen. Genau deshalb sehen so viele gleich aus: glatt, glänzend, beliebig. Hier steht, warum das so ist, woran man es erkennt und wie man mit guten Vorgaben, echten Referenzen und etwas Code Flyer bekommt, die wie von einem Designstudio aussehen. Samt QR-Code, der wirklich funktioniert.

Warum KI-Flyer generisch aussehen
Ein Bildmodell hat Millionen von Bildern gesehen. Gibt man ihm eine vage Anweisung wie «schöner Flyer für eine Bäckerei», liefert es den Durchschnitt davon: das Produkt in der Mitte, perfekt ausgeleuchtet, weiche Verläufe, ein bisschen Glanz. Das ist nicht falsch, aber es ist das, was alle anderen auch bekommen. Und Menschen erkennen diesen Durchschnitt inzwischen sofort.
Typische Merkmale, an denen man KI-Flyer erkennt:
- Alles ist zu sauber. Keine Papierstruktur, keine Druckpunkte, keine Unregelmässigkeit.
- Mittige, symmetrische Komposition. Das Motiv steht brav in der Mitte, rundherum Luft.
- Glanz und Leuchten. Weiche Lichtkanten, glänzende Oberflächen, ein Hauch von Werbeprospekt.
- Fantasietext im Kleingedruckten. Grosse Überschriften stimmen oft, kleine Zeilen enthalten Buchstabensalat.
- Stock-Menschen. Lächelnde Personen, die direkt in die Kamera schauen und zu keinem echten Geschäft gehören.
Wie Designer denken und wie man das der KI sagt
Der grösste Hebel ist nicht das Modell, sondern die Vorgabe. Statt «schöner Flyer» beschreibt man, was ein Gestalter entscheiden würde:
- Das Druckverfahren. «Zweifarbiger Risographdruck in Blau und Leuchtorange auf ungestrichenem Recyclingpapier, sichtbare Rasterpunkte, die beiden Farben leicht versetzt.» Damit bekommt das Bild Material und Fehler, also Echtheit.
- Das Raster. «Strenges Schweizer Raster, linksbündig, Hierarchie nur über Schriftgrösse.» Das verhindert die brave Mitte.
- Die Palette. Zwei Farben oder drei, nicht mehr. Begrenzung wirkt hochwertig.
- Den genauen Text. Jede Zeile wörtlich vorgeben, auch Preis und Adresse, und ausdrücklich verlangen, dass keine weiteren Wörter erscheinen.
- Was nicht sein darf. «Keine Verläufe, kein Leuchten, keine Schatten, kein 3D, keine Mockup-Hand.»
Mit echten Referenzen arbeiten
Noch besser wird es, wenn die KI nicht nur Text bekommt, sondern ein Bild als Vorlage. Für die Velowerkstatt in unserem Beispiel habe ich zuerst ein einzelnes Foto erzeugt: ein öliges Kettenblatt auf Betonboden, hartes Tageslicht, Schwarzweiss mit Filmkorn. Erst im zweiten Schritt bekam die KI dieses Foto als Referenz und den Auftrag, daraus einen Risograph-Flyer zu gestalten.
Der Vorteil: Das Motiv ist festgelegt, bevor es um Layout geht. Die KI muss nicht gleichzeitig ein Bild erfinden und gestalten, und genau dabei entstehen die generischen Kompromisse. Wer echte Produktfotos hat, nimmt natürlich diese als Referenz.

Die Stelle für den QR-Code freilassen
Hier kommt der wichtigste Trick. Eine KI kann keinen funktionierenden QR-Code zeichnen. Sie malt etwas, das wie ein QR-Code aussieht, aber kein Handy lesen kann. Also lässt man die Stelle bewusst frei.
Im Prompt steht dafür sinngemäss: «Unten rechts ein leeres Quadrat aus unbedrucktem Papier, etwa ein Viertel der Flyerbreite, mit einer feinen Rahmenlinie und absolut nichts darin.» Darunter kommt eine kleine Zeile wie «Termin buchen». Die KI gestaltet also um den Code herum, als wäre er schon da.

Der Code kommt per Skript
Danach übernimmt ein kleines Programm. Es sucht im fertigen Flyer automatisch das leere Feld. Das klingt einfacher, als es ist: Papierstruktur und Druckkorn lassen eine leere Fläche für den Computer unruhig aussehen. Mein Skript nutzt deshalb zwei Wege. Es sucht eine helle, zusammenhängende und fast quadratische Fläche. Findet es keine, sucht es den gezeichneten Rahmen: zwei gleich lange waagrechte Linien, deren Abstand genau ihrer Länge entspricht.
Dann setzt es einen echten QR-Code hinein, und zwar in der Druckfarbe des Flyers statt in Schwarz. Die Farbe misst es direkt aus dem Text des Flyers. So wirkt der Code, als wäre er mitgedruckt worden.

Damit der Code auch wirklich scannt
- Kurze Adresse. Je kürzer der Link, desto weniger Punkte braucht der Code, und desto grösser und robuster wird jeder Punkt. Ein Link wie
bernardfries.ch/vpasst in die kleinste QR-Grösse. - Grossbuchstaben. QR-Codes haben einen kompakten Modus für Grossbuchstaben und Zahlen. Die Adresse in Grossbuchstaben spart nochmals Punkte, und Webadressen funktionieren in dieser Schreibweise genauso.
- Ruhezone. Rund um den Code bleibt ein freier Rand. Deshalb setzt das Skript den Code mit etwas Abstand in den Rahmen.
- Mit einem echten QR-Leser prüfen. Das Skript liest jeden Code nach dem Einsetzen selbst wieder aus, auch stark verkleinert. Erst wenn das klappt, geht der Flyer weiter.
Prüfen wie ein Art Director
Ich lasse pro Flyer immer mindestens zwei Varianten erzeugen und prüfe beide gegen eine feste Liste: Stimmt jeder Buchstabe, auch im Kleingedruckten? Wirkt die Typografie gesetzt oder zufällig? Sieht das Bild nach Plastik aus? Gibt es Papier, Korn, Druck? Würde ein Grafiker das so abgeben?
Bei der Bäckerei ist eine Variante durchgefallen: Das Brot stand mittig, perfekt ausgeleuchtet und glänzend, wie ein typisches KI-Produktfoto. Die andere Variante zeigte das Brot angeschnitten am Rand, mit viel Weissraum, und wirkte wie aus einem Magazin. Beim Gewinner habe ich per Code noch die Sättigung leicht gedämpft und feines Papierkorn ergänzt.

Vom Bild zum Druck
- Format festlegen. Das Bildformat 2 zu 3 passt genau auf eine Postkarte in 10 mal 15 Zentimetern.
- Auflösung prüfen. Für den Druck sollten es rund 300 Punkte pro Zoll sein. Ein Bild mit 1360 mal 2048 Pixeln ergibt auf 10 Zentimetern Breite etwa 345.
- Farbraum klären. Die KI liefert RGB, Druckereien arbeiten mit CMYK. Leuchtorange und kräftiges Rot verlieren bei der Umwandlung oft etwas Kraft. Frag die Druckerei nach einem Probedruck.

Und dann: messen
Ein schöner Flyer ist nur die halbe Arbeit. Jeder QR-Code führt auf eine eigene Landingpage, die genau zum Flyer passt, und pro Auslageort zählt ein eigener Link. Wie das im Detail geht, steht in der Notiz Flyer mit QR-Code: So wird gedruckte Werbung messbar.
Kurz zusammengefasst
- Nicht «schön» verlangen, sondern Druckverfahren, Raster, Palette und Text genau vorgeben.
- Zuerst das Motiv als eigenes Foto erzeugen, dann als Referenz für das Layout nutzen.
- Für den QR-Code ein leeres Feld mit Rahmen einplanen.
- Den echten Code per Skript in der Druckfarbe einsetzen und mit einem QR-Leser prüfen.
- Mehrere Varianten erzeugen und streng aussortieren.
Die drei Flyer aus diesem Artikel kannst du auf meiner Startseite ansehen, als PDF herunterladen und mit dem Handy scannen.